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9 Strategien gegen ME/CFS und Fatigue

 

Dr. Martina Melzer, veröffentlicht: 18.06.2022

 

English Version

 

Unter dem Menüpunkt „Strategien“ findest du neun Übersichtstexte zu Punkten, die aus meiner Sicht bei chronischer Fatigue und ME/CFS eine wichtige Rolle spielen. Sie tragen einerseits zur Erschöpfung und den vielen anderen Symptomen bei, können andererseits der Weg heraus sein.

Es sind die Faktoren, auf die ich während meiner dreijährigen Recherche immer wieder gestoßen bin und die bei so vielen Menschen, die wieder genesen sind, zentral waren. Mir sind diese Punkte auch bei anderen Erkrankungen aufgefallen, die mit chronischer Erschöpfung einhergehen und ich habe gelernt, dass die krankmachenden Mechanismen teilweise stark überlappen. Aber natürlich hat jede Fatigue-Erkrankung ihre „Eigenheiten“, die sich von anderen unterscheiden.

 

Die Strategien habe ich auch im Video zusammengefasst:

 

Du kannst sie dir auch auf Spotify und Anchor anhören:

 

 

1. Autonomes Nervensystem: Nach allem, was ich gelernt habe, ist das autonome Nervensystem (ANS) DER BIG PLAYER in unserem Körper. Ist es fehlgesteuert, kann das aus meiner Sicht (zusammen mit weiteren Faktoren) zu vielen chronischen Krankheiten führen – nicht nur zu ME/CFS, sondern auch zu anderen Syndromen, Autoimmunkrankheiten, Depression, Angststörungen, etc. Das autonome Nervensystem besteht aus dem Sympathikus, dem aktivierenden Teil, und dem Parasympathikus, auch Vagusnerv genannt. Das ist der beruhigende Teil. Beide steuern zahlreiche überlebenswichtige Funktionen im Körper. Ist das ANS außer Balance, wirkt sich das deshalb auf zahlreiche Körpersysteme aus und kann auch zahlreiche Symptome verursachen. Hauptursachen für ein fehlgesteuertes ANS sind chronischer Stress und Traumata - beide können körperlicher oder psychischer Natur sein, meistens macht eine Kombination mehrerer Stressoren krank. Es gibt viele Wege, das autonome Nervensystem wieder in Balance zu bringen. Sie alle fußen im Grunde auf Neuroplastizität – dem Vermögen unseres Gehirns, Altes zu verlernen und Neues zu lernen. Mehr zum autonomen Nervensystem findest du unter der Strategie „Nervensystem“.

 

2. Psyche: Für viele Menschen mit ME/CFS ist das Thema Psyche ein rotes Tuch. War es für mich auch. Inzwischen bin ich aber überzeugt davon, dass Geist, Gehirn und Körper eine untrennbare Einheit sind. Ebenso wie Psyche, Nervensystem, Immunsystem und Hormonsystem. Das eine beeinflusst das andere. Jede körperliche Krankheit wirkt sich auch psychisch aus und jede psychische auch körperlich. Ein auf Heilung ausgerichteter Fokus ist extrem wichtig, wenn man heilen will. Außerdem können einem Glaubenssätze wie „ich bin nicht gut genug“ und Verhaltensweisen wie Perfektionismus und Helfersyndrom im Weg stehen, wenn es um die Genesung geht. Unterdrückte Emotionen spielen bei mehr Krankheiten eine Rolle als ich für möglich gehalten hätte. Auch bei der Psyche geht es darum, das Gehirn umzutrainieren, Altes loszulassen und Neues zu begrüßen. Mehr dazu unter der Strategie „Psyche“.

 

3. Immunsystem: Zweifelsohne spielt ein aus der Balance geratenes Immunsystem eine wichtige Rolle bei ME/CFS, aber auch bei Fatigue aufgrund anderer Ursachen. Ob es Long Covid ist, eine Autoimmunkrankheit wie MS, Krebs oder sogar eine Depression. Chronische Entzündungen sind hier der Treiber. Sie erschöpfen, vernebeln unser Gehirn und lassen uns krank fühlen. Hier gibt es kein Patentrezept. Ich denke aber, dass es Sinn macht, die Ursachen für ein geschwächtes oder überaktives Immunsystem herauszufinden, chronische Infektionen zu bekämpfen und das Immunsystem durch einen ganzheitlichen Ansatz wieder ins Lot zu bringen. Mehr Infos unter der Strategie „Immunsystem“.

 

4. Darmgesundheit: Der Einfluss des Darms auf unsere Gesundheit wird meiner Meinung nach noch immer unterschätzt. In ihm befinden sich 70 bis 80 Prozent unserer Immunzellen, er hat ein eigenes Nervensystem und ist über den Vagusnerv mit dem Gehirn in Austausch. Ich meine: Wenn der Darm nicht rund läuft, läuft gar nichts rund. Deshalb lohnt es sich immer, sich um seine Darmgesundheit zu kümmern – unabhängig von der Erkrankung. Ist der Darm entzündet oder sein Nervensystem aus der Balance kann das nicht nur zu chronischer Fatigue führen, sondern zu vielen anderen Beschwerden. Mehr dazu in der Strategie „Darmgesundheit“.

 

5. Ernährung: Viele Menschen ernähren sich ungesund und können durch eine Ernährungsumstellung viel bewirken. Geht es um Fatigue und ME/CFS, macht es aus meiner Sicht Sinn, eine ausgewogene Ernährungsweise zu finden, die deinen Blutzucker stabilisiert und dir gut bekommt. Ich habe zahlreiche Ernährungsformen ausprobiert und von anderen Menschen gehört oder gelesen, was ihnen geholfen hat. Fazit: Was mir hilft oder einem anderen Menschen, muss dir nicht helfen! Ernährung ist etwas sehr Individuelles, weshalb du deine persönliche Ernährungsform finden musst! Finde heraus, was dir gut bekommt und was nicht, iss möglichst viel unverarbeitete Lebensmittel und nicht zu viele Kohlenhydrate (wobei auch hier gilt: so wie es dir guttut!). Mehr dazu unter der Strategie „Ernährung“.

 

6. Schlaf: Ohne Schlaf keine Erholung, keine Regeneration, keine Energie. Obwohl Menschen mit chronischer Erschöpfung oft wirklich viel schlafen, fühlen sie sich nie erholt. Der Schlaf ist gestört. Leider gibt es auch hier kein Patentrezept, was deinen Schlaf verbessert. Am besten findest du deine persönlichen Störfaktoren und beseitigst sie so gut du kannst. Sieh zu, dass du morgens und tagsüber etwas Sonnenlicht abbekommst, iss abends nicht zu spät und fahr ein bis zwei Stunden vor dem Schlafengehen geistig, körperlich und nervlich herunter. Mehr Infos unter der Strategie „Schlaf“.

 

7. Pacing: Wer ME/CFS hat, kennt sich mit Pacing meistens gut aus. Inzwischen ist Pacing aber auch in der breiteren Öffentlichkeit angekommen und wird nicht nur für ME/CFS, sondern auch für Long Covid, Multiple Sklerose und andere Fatigue-Erkrankungen empfohlen. Pacing ist für dich unheimlich wichtig, wenn du an chronischer Erschöpfung leidest! Tipps dazu findest du in der Strategie „Pacing“.

 

8. Bewegung: Heikles Thema bei ME/CFS – aber aus meiner Sicht trotzdem sehr wichtig. Sehr individuell angepasste Bewegungsformen sind auch für Menschen mit ME/CFS wichtig, um die Durchblutung anzuregen, den Lymphfluss, den Stoffwechsel, die Muskeln. Welche Art von Bewegung sich für dich eignet, ist natürlich sehr spezifisch. Wichtig: Mach irgendwas, und wenn es täglich etwas Stretching im Bett ist -  das ist ein wichtiger Anfang. Bei anderen Fatigue-Erkrankungen wird angepasste Bewegung eigentlich immer empfohlen. Mehr zum Thema unter der Strategie „Bewegung“.

 

9. Hormone: Wenn du ME/CFS, Long Covid oder eine andere Fatigue-Erkrankung hast, können auch deine Hormone aus der Balance geraten sein. Zum  Beispiel die Schilddrüsenhormone, die Nebennierenhormone und die Sexualhormone, aber auch Insulin, das für den Blutzucker wichtig ist. Lass deshalb deinen Hormonstatus bestimmen, am besten bei einem Endokrinologen oder einer Endokrinologin. Ob sich dann spezielle Medikamente empfehlen, musst du mit dem Arzt oder der Ärztin besprechen. Aus meiner Sicht zentral, um die Hormonachse zwischen Gehirn und Peripherie wieder auszutarieren: Stressmanagement, Schlaf-Wach-Rhythmus und Nervensystem einpendeln. Mehr Infos unter der Strategie „Hormone“.


Welche Faktoren bei dir die größte Rolle spielen und mit welchen Maßnahmen und Werkzeugen du sie wieder in Balance bringst, ist natürlich etwas sehr Individuelles. Und selbstverständlich können in deinem Fall weitere Punkt eine Rolle spielen, die ich hier nicht aufgeführt habe!

PS: Natürlich recherchiere und kontrolliere ich alles, was ich hier schreibe, so gut wie möglich. Trotzdem bin ich auch nur ein Mensch und mache Fehler. Außerdem ziehe ich vielleicht ganz andere Schlüsse wie es jemand anders tun würde. Einfach weil sie zu meiner Geschichte passen. Doch jede Geschichte ist anders.

Wichtig: Die Inhalte auf dieser Seite dienen nur zu Informationszwecken und ersetzen nicht das Gespräch mit Ärztin, Arzt oder anderen Therapeuten. Die Inhalte spiegeln meine persönlichen Erfahrungen, Recherchen und Erkenntnisse wider, die mir geholfen haben und die ich deshalb teilen möchte. In Ihrem persönlichen Fall können jedoch ganz andere Sachen eine Rolle spielen und andere Dinge helfen. Bitte sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Therapeuten, bevor Sie Entscheidungen treffen, die Ihre körperliche oder mentale Gesundheit betreffen. Auch wichtig: Ich möchte hier niemand von etwas überzeugen. Vielmehr möchte ich mögliche Wege aufzeigen, die hoffentlich einigen Menschen helfen können, ihre Fatigue oder ME/CFS zu verbessern oder zu überwinden.