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Ist Nahrungsergänzung bei Fatigue sinnvoll?

 

Dr. Martina Melzer, veröffentlicht: 04.09.2022

 

English Version

 

Vermutlich hast du schon einiges über Nahrungsergänzungsmittel bei ME/CFS und anderen Syndromen gelesen, die mit chronischer Erschöpfung einhergehen? Ich auch. Eine Zeit lang habe ich mich da sogar ziemlich hineingesteigert.

Vieles klang total plausibel. Wie oft hatte ich gelesen, dass Fatigue und ME/CFS mit einer gestörten Mitochondrienfunktion zusammenhängen. Und wenn man die ganzen Mikronährstoffe zuführt, die unsere kleinen Energiekraftwerke in den Zellen benötigen, um Energie zu machen, dann wird alles gut. War bei mir aber nicht so.

Im Video erzähle ich ein bisschen über Pro und Contra zu Nahrungsergänzungsmitteln:

 

Du kannst dir den Inhalt auch auf Spotify und Anchor anhören:

 

Und hier sind wichtige Punkte aus dem Video zusammengefasst:

  • Viele Studien zeigen, dass mit den Mitochondrien bei ME/CFS wirklich etwas nicht stimmt. Genauso wie bei Autoimmunkrankheiten, etwa Multipler Sklerose, und bei Krebsfatigue. Aus meiner Sicht ist das Mitochondrienproblem aber zumindest bei ME/CFS und verwandten Syndromen sekundär. Der primäre Treiber sind ein aus der Balance geratenes limbisches System und autonomes Nervensystem.
  • Forscher konnten bei einigen Menschen mit ME/CFS und Fibromyalgie Defizite nachweisen, zum Beispiel an Aminosäuren, B-Vitaminen, Magnesium, Zink, Carnitin, Coenzym Q10, Fettsäuren und Vitamin C. Das gilt sicher auch bei anderen Krankheiten, entzieht sich aber meiner Kenntnis.
  • Ich hatte zum Beispiel zu wenig Vitamin B12, Eisen und Vitamin D. Ich habe alle möglichen Vitaminpillen ausprobiert, die wichtig für den Energiestoffwechsel sind, bei Neuropathien helfen sollen, zum Muskelaufbau dienen, die Darmflora aufbauen, usw. Außer Omega-3-Fettsäuren und Probiotika hat eigentlich nichts geholfen, manches hat sogar geschadet. Zum Beispiel hat Carnitin, das für die Muskeln wichtig ist, bei mir schlimme Zyklusprobleme hervorgerufen und ein Mittel, in dem die Aminosäure Tryptophan war, hat mich ins „Wachkoma“ versetzt. Und es hat irrsinnig viel Geld gekostet.
  • Mein Rat daher: Am besten beim Arzt oder der Ärztin testen lassen, ob ein Mangel an bestimmten Nährstoffen vorliegt. Ärzte für Funktionelle Medizin kennen sich damit besonders gut aus, allerdings können die ganzen Tests sehr teuer werden. Dann die Mängel mit hochwertigen Nahrungsergänzungsmitteln, die gut vom Körper aufgenommen werden, ausgleichen.
  • Dr. Sarah Myhill, die ME/CFS-Spezialistin aus England, hat auf einer Konferenz mal gesagt: Solange der Darm nicht richtig funktioniert, weil er zum Beispiel entzündet ist oder die Darmflora aus dem Ruder geraten ist, kann er auch die hochwertigsten und teuersten Nahrungsergänzungen nicht richtig aufnehmen. Sie meinte: erst den Darm heilen, dann Vitaminpillen nehmen. Man kann natürlich auch den Darm umgehen, durch eine Infusion oder Lutschtabletten.
  • Noch ein wichtiger Punkt: Die ganzen Mikronährstoffe können mit der Nahrung und mit Medikamenten wechselwirken. Das kann manchmal gefährlich werden. Wenn du Nahrungsergänzung im Internet bestellst, versichere dich, das der Anbieter seriös ist.
  • Ob dir Vitaminpillen helfen oder nicht, musst du selbst austesten. Beachte aber die Risiken. Und denke ans Geld. Ich gebe inzwischen lieber mehr für hochwertiges Obst und Gemüse aus und achte darauf, bunt und so vielfältig wie möglich zu essen. Weiterer Punkt: Ich habe mich viel zu lange in diesem Feld verrannt und darauf gehofft, dass ich mit diesen Mitteln wieder gesund werde. Dabei habe ich die Wurzel des Übels, nämlich fehlgesteuerte Nervenverknüpfen im Gehirn, aus dem Blick verloren.

Blog-Artikel "Mein Ernährungsmarathon"

 

PS: Natürlich recherchiere und kontrolliere ich alles, was ich hier schreibe, so gut wie möglich. Trotzdem bin ich auch nur ein Mensch und mache Fehler. Außerdem ziehe ich vielleicht ganz andere Schlüsse wie es jemand anders tun würde. Einfach weil sie zu meiner Geschichte passen. Doch jede Geschichte ist anders.

Wichtig: Die Inhalte auf dieser Seite dienen nur zu Informationszwecken und ersetzen nicht das Gespräch mit Ärztin, Arzt oder anderen Therapeuten. Die Inhalte spiegeln meine persönlichen Erfahrungen, Recherchen und Erkenntnisse wider, die mir geholfen haben und die ich deshalb teilen möchte. In Ihrem persönlichen Fall können jedoch ganz andere Sachen eine Rolle spielen und andere Dinge helfen. Bitte sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Therapeuten, bevor Sie Entscheidungen treffen, die Ihre körperliche oder mentale Gesundheit betreffen. Auch wichtig: Ich möchte hier niemand von etwas überzeugen. Vielmehr möchte ich mögliche Wege aufzeigen, die hoffentlich einigen Menschen helfen können, ihre Fatigue oder ME/CFS zu verbessern oder zu überwinden.