Dr. Martina Melzer, veröffentlicht: 04.06.2022

 

English Version

 

 

Körper, Geist und Gehirn sind eine unzertrennbare Einheit. Jede körperliche Erkrankung wirkt sich psychisch aus. Und jede psychische Erkrankung wirkt sich körperlich aus. Es ist ein großer Fehler der modernen westlichen Schulmedizin, nur in Organen zu denken, Menschen in Schubladen zu stecken, sich nur auf Ergebnisse aus Bluttests und anderen Diagnoseverfahren zu verlassen. Und nicht den ganzen Menschen zu sehen, seine Geschichte zu erfahren.

Als Apothekerin bin ich schulmedizinisch geprägt und habe genau denselben Fehler gemacht. Ich habe auch bei meiner Krankheit nur in Organen und Schubladen gedacht, mich in zahlreiche Studien vertieft. Ich wollte bis in den Zellkern eintauchen und habe dabei den ganzen Körper, der aus Billionen von Zellen besteht, aus dem Blick verloren. Besonders weil mich so viele Ärzte und Ärztinnen für einen „Psycho“ gehalten haben, meinten „ist alles im Kopf“ oder alles „psychosomatisch“, bin ich innerlich in den Widerstand gegangen. Nein, ich habe eine körperliche Erkrankung, eine neurologische, vielleicht sogar eine Autoimmunkrankheit. Inzwischen sehe ich das alles differenzierter. Wie gesagt, Körper, Geist und Gehirn sind eine Einheit.

Das Wort „psychosomatisch“

Ich mag das Wort „psychosomatisch“ überhaupt nicht. Nicht nur weil ich während meiner jahrelangen Ärzt:innen-Odyssee so oft damit konfrontiert wurde und man mir vermittelte „es ist alles psychosomatisch“ oder „Sie haben nichts“ oder „Sie haben eine Depression“ oder „Sie haben zu viel Stress“. Sondern auch, weil ich den Begriff für nicht korrekt halte. Sehr viele Ärzte und Ärztinnen wollen einem damit sagen, dass ein psychisches Problem körperliche Beschwerden auslöst. Nach dem Motto: Es ist alles in deinem Kopf. Aber wie ich oben schon geschrieben habe, sind Gehirn, Geist und Körper eine untrennbare Einheit und sie beeinflussen sich gegenseitig und immer bidirektional. Man sollte also eher von „Geist-Gehirn-Körper-Störung“ oder „Körper-Geist-Gehirn-Störung“ sprechen. Die Reihenfolge der Begriffe ist beliebig austauschbar.

Axel Schweickhardt beschreibt im Buch „Psychosomatische Medizin und Psychotherapie“: „Psychosomatik bedeutet, dass Körper und Seele zwei untrennbar miteinander verbundene Aspekte des menschlichen Wesens sind, die nur aus methodischen Gründen oder zum besseren Verständnis unterschieden werden. Dies impliziert keine "lineare" Kausalität in dem Sinne, dass psychische Störungen körperliche Krankheiten verursachen. Das würde zu einem Dualismus führen, in dem es Krankheiten mit psychischem Ursprung und Krankheiten mit somatischem Ursprung gibt.“

Die Polyvagal-Perspektive

Ich beschäftige mich zudem intensiv mit der Polyvagal-Theorie (mehr dazu in der Strategie „Nervensystem“). Die Ärztin und Polyvagal-Expertin Deb Dana sagt: „Your autonomic state becomes your psychological story.“ Sie meint damit: Unser autonomes Nervensystem sammelt permanent Sinneswahrnehmungen aus der Außen- und Innenwelt und sendet die Informationen ans Gehirn. Sie gelangen dort in den Hypothalamus und von da ins limbische System. Das ist unser Emotionszentrum. Es bewertet, ob die eingegangenen Informationen Sicherheit oder Gefahr bedeuten. Das geschieht alles unbewusst und in rasender Schnelle, damit wir bei Gefahr automatisch reagieren können – und kämpfen, fliehen oder erstarren. Je nachdem, in welchem Status sich das autonome Nervensystem, bestehend aus Sympathikus und Parasympathikus, befindet, fühlen und denken wir. Wir bekommen ängstliche Gedanken, werden wütend oder fühlen uns hilf- und hoffnungslos, sehen alles schwarz. Unsere Biologie kreiert also unseren psychischen Zustand, unsere Gedankenwelt, unsere Verhaltensweisen.

Emotionen & Körperempfindungen

Auch wenn man bei Emotionen als Erstes an die Psyche denkt, sind sie doch eher etwas Biologisches. Sie sind das Ergebnis unseres autonomen Status und der Grund für unser Denken und Verhalten. Sie äußeren sich vorwiegend durch die Muskeln unseres Gesichts und Körpers. Ganz unbewusst und intuitiv deuten wir den Gesichtsausdruck, die Stimme, die Muskelspannung und Körperhaltung eines anderen Menschen – genau wie jedes andere tierische Lebewesen auf diesem Planeten. Das versetzt uns dann in Kampf, Flucht, Unterwerfung, Erstarrung oder in Sicherheit und Verbundenheit. Dementsprechend passen wir unbewusst unseren eigenen Gesichtsausdruck, unsere Stimme, Körperhaltung und Muskelspannung an.

Fühlen wir uns verbunden und sicher, sprechen wir sanfter, heller, lächeln, entspannen unsere Muskeln, haben eine ruhige und aufrechte Körperhaltung. Haben wir Angst, spannen wir alle möglichen Muskeln an, reißen die Augen weit auf, halten den Atem an, der Magen dreht sich um, die Beine sind unruhig. Sind wir wütend und auf Kampf programmiert, ballen wir die Fäuste, ziehen die Augenbrauen zusammen, spannen den Kiefer an, machen uns groß. Fühlen wir uns hilflos und ausgeliefert, bekommen wir kaum einen Ton heraus, kauern uns zusammen, senken unseren Kopf, sind steif.

Sind wir traurig, weinen wir, schluchzen, sind still, kauern uns zusammen. Bei Ekel wird uns übel, wir spannen die Muskeln an und weichen zurück, verziehen Mund, Nase, Augen.

Was ich mit diesem Abschnitt sagen will: Symptome können Ausdruck einer äußeren oder inneren Verletzung sein, eines geschädigten Organs, einer ernsten Krankheit. Symptome können aber auch Körperempfindungen und Ausdruck bestimmter Emotionen und des autonomen Nervensystems sein. Es ist extrem wichtig, neue Symptome beim Arzt oder der Ärztin gründlich abklären zu lassen. Findet sich aber nichts, sollte man sich zumindest einmal mit dem Thema Emotionen, Nervensystem und der Körper-Geist-Gehirn-Verbindung beschäftigen. Chronischer Stress und Traumata bringen das autonome Nervensystem (siehe Strategie „Nervensystem“) aus dem Lot und sind an zahlreichen chronischen Krankheiten ursächlich beteiligt.

Der emotionale Einfluss auf Krankheiten

Der Arzt, Psychiater und Trauma-Forscher Dr. Bessel van der Kolk nennt die im Körper gespeicherten Emotionen, die man bei einem psychischen oder körperlichen Trauma erlebt hat, sowie den konstanten Alarmmodus des autonomen Nervensystems als (Mit-)Ursache für Krankheiten wie: (komplexe) Posttraumatische Belastungsstörung, Autoimmunkrankheiten, chronische Rückenschmerzen, Fibromyalgie, Migräne, chronische Fatigue, Reizdarm, Asthma.

Der Arzt und Trauma-Experte Dr. Gabor Maté beschreibt den völlig unterschätzten Einfluss von unterdrückten Emotionen, vor allem Ärger und Wut, die man als Kind und Erwachsener nie ausdrücken durfte, auf zahlreiche Krankheiten. Zum Beispiel: Multiple Sklerose, ALS, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, ME/CFS, Fibromyalgie, Migräne, Endometriose, Hautkrankheiten, Krebs, Herz-Kreislauf-Krankheiten. Er sagt: Verdrängte Emotionen und Stress tragen maßgeblich zu Krankheiten bei. Und: Das heißt nicht, dass man schuld an seiner Erkrankung ist!

Dr. Russel Kennedy hat ein ganzes Buch dem Thema Angststörungen gewidmet, mit denen er selbst Jahrzehnte kämpfte. Seine Botschaft: Angst sind die sorgenvollen Gedanken vor der Zukunft, vor potenziell gefährlichen Situationen, die eintreten könnten. Die Angst entsteht aber im Körper, in unseren Eingeweiden, als Folge eines permanenten Alarmzustands des autonomen Nervensystems.

Prof. Gregor Hasler zählt verschiedenste „psychische“ und „körperliche“ Krankheiten als mögliche Folge einer gestörten Darm-Hirn-Kommunikation auf: Depression, Angststörungen, Parkinson, Süchte, Multiple Sklerose und andere Autoimmunkrankheiten, Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Er sagt: Man kann zum Psychopathen werden, wenn der Darm nicht richtig funktioniert (verstehe ich). Und Depression und Angststörungen entstehen eventuell durch eine gestörte Darmflora, ebenso wie durch ein fehlgeleitetes Darmnervensystem.

Der Psychoneuroimmunologe Prof. Christian Schubert beschreibt, wie sehr Psyche und Immunsystem miteinander wechselwirken, wie sich unser emotionaler Zustand auf die Funktionsweise des Immunsystems auswirkt. Emotionaler Stress kann zu Herzversagen führen, Herpesinfektion wieder ausbrechen lassen, einen Asthmaanfall auslösen, Krebs begünstigen und Autoimmunkrankheiten wie Rheumatoide Arthritis, Typ-1-Diabetes und Lupus erythematodes.

TMS: Der Mind-Body-Ansatz von Dr. Sarno

Der Arzt Dr. John Sarno hat das Konzept des sogenannten „Tension Myositis Syndrome“, kurz TMS, aufgestellt. Prof. Howard Schubiner, ebenfalls Arzt und Psychiater, nennt es heute „Mind-Body-Syndrome“. Er sagt, dass viele Syndrome und Beschwerden die Folge von Stress in der Kindheit, Stress im Erwachsenenalter, erlernten Persönlichkeitsmerkmalen und unterdrückten Emotionen sind – vor allem über den Lauf des Lebens angestaute Wut.

Er betont, dass die Syndrome und Beschwerden nicht eingebildet sind und auch keine psychischen Krankheiten sind, sondern einfach vom unbewussten Teil unseres Geistes hervorgerufen werden. Die ganzen Symptome löst seiner Meinung nach das autonome Nervensystem aus. Es sei in Schieflage geraten, weil in der Amygdala zu viele negative, stressige oder traumatische Erinnerungen gespeichert sind. Die Amygdala wird auch Angstzentrum genannt und ist Teil des limbischen Systems. Sarno ging also davon aus, dass in erster Linie der Geist Gehirn und Körper durcheinander bringen, während Dr. Stephen Porges, Begründer der Polyvagal-Theorie, das autonome Nervensystem als Ursache eines gestörten Geist-Gehirn-Körper-Zusammenspiels ansieht. Wie oben schon erwähnt: Aus meiner Sicht gibt es hier keine Hierarchie, alle drei Systeme beeinflussen sich bidirektional.

Sarno zählt unter anderem folgende Symptome und Syndrome zum Mind-Body-Syndrom (wenn strukturelle Ursachen ausgeschlossen wurden!): Sodbrennen, Reizdarm, Kopfschmerzen, Migräne, Angststörungen, Depressionen, Zwangsstörungen, Essstörungen, Fibromyalgie, ME/CFS, alle möglichen Arten von chronischen Schmerzen, Karpaltunnelsyndrom, interstitielle Zystitis, POTS, Tinnitus.

Wen dieser Ansatz mehr interessiert und die beeindruckenden Heilungsgeschichten, der kann sich diese beiden Webseiten ansehen:
http://www.thankyoudrsarno.org/

https://www.tmswiki.org/ppd/Success_Stories_by_Symptoms_&_Diagnoses

Glaubenssätze, Schutzstrategien und Persönlichkeitsmerkmale

Die Psychologin Stefanie Stahl hat ein ganzes Buch dem Thema Glaubenssätze und Schutzstrategien gewidmet. Sie erklärt, wie sie entstehen, nämlich durch unsere Eltern. Wir können also nichts dafür, dass wir so sind wie wir sind. Wir sind so gemacht worden. Einer der typischsten negativen Glaubenssätze so vieler Menschen ist: Ich bin nicht gut genug. Andere sind: Ich falle zur Last. Ich bin dumm und hässlich. Ich muss lieb und brav sein. Glaubenssätze sind etwas sehr Individuelles und ich rate dir, deine zu finden.

Diese Glaubenssätze wirken sich auf unser Verhalten und unsere Beziehungen aus, denn wir entwickeln sogenannte Schutzstrategien. Das sind häufig eher wenig hilfreiche Verhaltensweisen wie etwa Perfektionismus, Helfersyndrom, Schönheitswahn, Opferdenken, Rückzug, Kontrollstreben, Überanpassung, Narzissmus und Rollenspiel. Auch hier musst du deine persönlichen Schutzmechanismen herausfinden.

Sarno hat in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit ebenso wie Schubiner festgestellt, dass Menschen mit Syndromen und chronischen Schmerzen häufig bestimmte Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Dazu gehören unter anderem: Perfektionismus, hohe Erwartungen an sich, selbstkritisch, ständige Schuldgefühle, hohes Verantwortungsbewusstsein, immer helfen wollen, sorgenvoll, ängstlich, traurig, wütend sein. Solche Menschen setzen sich permanent selbst unter Druck, ganz unabhängig vom Druck anderer Menschen. Diese Eigenschaften führen auch die anderen Buchautoren auf, die ich weiter oben genannt habe.

Auch Alex Howard stellt in einem Buch vor, welche Persönlichkeitsmerkmale Menschen mit chronischer Erschöpfung und ME/CFS typischerweise haben: ehrgeizig, perfektionistisch, helfend, ängstlich, kontrollierend. Er erklärt, wie solche Eigenschaften zu seinem eigenen ME/CFS beigetragen haben und wie sie den boom and bust cycle, also Aktivität – Crash, gefördert haben. Er hat zahlreiche Menschen mit chronischer Fatigue behandelt und immer wieder beobachtet, dass diese Eigenschaften die Menschen an der Genesung gehindert haben. Sie sind immer wieder in ihre alten erlernten Verhaltensweisen abgedriftet, besonders wenn es ihnen besser ging. Dann wurde die Krankheit wieder schlimmer.

Ich betone noch mal wie alle Autoren: Das heißt nicht, es ist alles psychisch und auch nicht, dass man selbst schuld ist!!!

Indem du herausfindest, was dir als Kind gefehlt hat oder was in deiner Kindheit und Jugend an stressauslösenden oder traumatisierenden Dingen passiert ist, kannst du dein inneres Kind finden und heilen. Dein verwundetes inneres Kind ist der Grund für die ungünstigen Verhaltensweisen und Glaubenssätze im Erwachsenenalter, aber auch ein völlig unterschätzter Faktor für das Auftreten von Krankheit in späteren Lebensjahren. Hier liegt auch der Schlüssel für unterdrückte Emotionen, die man herunterschlucken musste, weil bestimmte Emotionen nicht geduldet waren.

Die richtige Einstellung zur Genesung

Raelan Agle hat ihr eigenes ME/CFS überwunden und einen inzwischen richtig großen YouTube-Kanal. Sie hat dort unter anderem um die 80 Menschen (Stand: 04.06.2022) interviewt, die ihre Genesungsgeschichte geteilt haben. In einem Video fasst sie die wichtigsten Strategien zusammen, die Menschen zu ihrer Genesung angewendet haben. Eine davon ist die richtige Einstellung. Raelan Agle sagt: „Kann man gesund werden, wenn man nicht daran glaubt?“ Sie denkt: nein. Ich sehe das genauso. Man muss fest daran glauben, dass Genesung möglich ist. Deshalb heißt meine Webseite auch „Ich werde gesund“. Ich möchte noch ergänzen: Google nach „MECFS Recovery“ und nicht nach „MECFS“!

Quelle: Raelan Agle

Worauf man seinen Fokus richtet, das stuft das Gehirn als wichtig ein. Sucht man nur nach Gefahrensignalen und nicht nach Hinweisen für Sicherheit, konzentriert sich das Gehirn auf Gefahr und stärkt die dazugehörigen Nervenbahnen und -verknüpfungen. Achtet man die ganze Zeit auf seine Symptome, nimmt man sie mit der Zeit immer stärker wahr. Glaubt man, Heilung sei nicht möglich, verfestigt sich dieser Gedanke. Umgekehrt gilt: Trainiert man seine Wahrnehmung auf Sicherheitssignale, auf ruhige Körperstellen, auf Heilung, dann stärkt das Gehirn diese Nervenbahnen und -verknüpfungen. Das ist kein Blödsinn oder Psychokram, sondern wissenschaftlich untermauert.

Das Prinzip ist wiedermal Neuroplastizität (= Brain Training). Man muss sein Gehirn und Nervensystem von Kranksein auf Heilung umtrainieren. Mit dem sogenannten „Law of Attraction“ oder Retikulären Aktivierungssystem (RAS) lässt sich das mit dem Fokus erklären. Das RAS ist eine Ansammlung von Nervenzellen, die unter anderem die Aufgabe haben, die ganzen einströmenden Informationen zu filtern und nur die „wichtigen“ herauszuziehen und darauf die Aufmerksamkeit zu lenken. Es lenkt deinen Fokus auf das, was du erreichen, finden, haben willst. Egal ob das ein neues Auto in roter Farbe einer bestimmten Marke ist (auf einmal siehst du überall genau dieses rote Auto) oder deine Gesundheit, deine Genesung. Damit kannst du alte Glaubenssätze und Überzeugungen umtrainieren. Statt „ich bin nicht gut genug“ sagst du immer und immer wieder „ich bin gut genug“. Hier setzt auch das Neurolinguistische Programmieren (NLP) an.

Wie beeinflusst du die Psyche positiv?

  • Trainiere deinen negativen Glaubenssätze und wenig hilfreichen Verhaltensweisen in positive und nützliche um.
  • Finde dein verletztes inneres Kind, sprich mit ihm, gib ihm das, was ihm fehlte, integriere es.
  • Finde Zugang zu deinen Emotionen, verarbeite unterdrückte Emotionen, fühle sie, nimm sie an, akzeptiere sie, lasse sie einfach da.
  • Nutze sogenannte von-oben-nach-unten Ansätze wie expressives Schreiben, spezielle Arten des Tagebuchschreibens, positive Affirmationen, positive Visualisierungen, Meditieren, Achtsamkeitstraining, Gesprächstherapie, NLP oder EFT (Emotional Freedom Technique), um deine Psyche und deinen emotionalen Zustand günstig zu beeinflussen. Diese Ansätze gehen vom jüngeren Teil des Gehirns aus, dem denkenden Hirn oder Cortex.
  • Nutze unbedingt auch sogenannte von unten-nach-oben-Ansätze, die am älteren Teil des Gehirns ansetzen, in dem sich das limbische System und der Hypothalamus befinden – dem fühlenden Gehirn. Dazu gehören alle körperbetonten Therapien wie Orientieren in der Umgebung, binaureale Töne, Somatic Experiencing, NLP und EFT ebenfalls, Yoga, Atemtechniken, Körperhaltung, Feldenkrais, Massage, Aromatherapie, Singen, Zeichnen, Therapeutisches Reiten. So beeinflusst du direkt das Entstehen deiner Emotionen im Körper.
  • Lerne, deine Wut (in gesundem Maße) auszudrücken, akzeptiere deine Angst, deine Scham, deine Schuld, deine Trauer. Emotionen sind ganz normale tägliche Empfindungen, die kommen und gehen und uns nur beschützen wollen. Es gibt aus meiner Sicht keine guten und schlechten Emotionen. Alle sind okay und sollten willkommen sein. Nimm sie wahr, sei mit ihnen, verdränge sie nicht.
  • Komme deinem Streben nach Autonomie, Bindung, Selbstbehauptung nach.
  • Setze gesunde Grenzen, sage Nein, kümmere dich um deine Bedürfnisse und Wünsche und nicht nur um die der anderen.
  • Wenn du (im Rahmen einer Therapie) Kontakt zu traumatischen Erlebnissen aus der Vergangenheit aufnimmst, dann bleibe in der Gegenwart, spüre deinen Körper, du bist jetzt hier sicher, alles gut.
  • Bejahe dich selbst und das Leben. Finde einen Sinn im Leben. Akzeptiere dich so wie du bist. Du bist genau richtig so wie du bist.
  • Identifiziere die wichtigsten Stressfaktoren in deinem Leben – jetzt und in der Vergangenheit. Ändere, was nötig ist. Akzeptiere, was du nicht ändern kannst.


Ich persönlich nutze die Methode JournalSpeak nach Nicole Sachs, um meinen Emotionen eine Stimme zu geben. Inzwischen kombiniere ich sie mit Erkenntnissen aus dem Buch Mindsight von Daniel Siegel. Methoden von Peter Levine und Irene Lyon helfen mir auf der körperlichen Ebene. Vera Wilhelmsen aus Norwegen hat mir viel geholfen, Zugang zu meinen Emotionen zu finden. Und es gibt noch viel mehr Ressourcen.

PS: Natürlich recherchiere und kontrolliere ich alles, was ich hier schreibe, so gut wie möglich. Trotzdem bin ich auch nur ein Mensch und mache Fehler. Außerdem ziehe ich vielleicht ganz andere Schlüsse wie es jemand anders tun würde. Einfach weil sie zu meiner Geschichte passen. Doch jede Geschichte ist anders.

Wichtig: Die Inhalte auf dieser Seite dienen nur zu Informationszwecken und ersetzen nicht das Gespräch mit Ärztin, Arzt oder anderen Therapeuten. Die Inhalte spiegeln meine persönlichen Erfahrungen, Recherchen und Erkenntnisse wider, die mir geholfen haben und die ich deshalb teilen möchte. In Ihrem persönlichen Fall können jedoch ganz andere Sachen eine Rolle spielen und andere Dinge helfen. Bitte sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Therapeuten, bevor Sie Entscheidungen treffen, die Ihre körperliche oder mentale Gesundheit betreffen. Auch wichtig: Ich möchte hier niemand von etwas überzeugen. Vielmehr möchte ich mögliche Wege aufzeigen, die hoffentlich einigen Menschen helfen können, ihre Fatigue oder ME/CFS zu verbessern oder zu überwinden.

quellen

Inhalte Polyvagal-Akademie. Online: https://polyvagal-akademie.com/

Bessel van der Kolk: The body keeps the score

Gabor Maté: Wenn der Körper Nein sagt

Russel Kennedy: The Anxiety Rx

Gregor Hasler: Die Darm-Hirn-Connection

John Sarno: The Mindbody Prescription

Stefanie Stahl: Das Kind in dir muss Heimat finden

Alex Howard: Decode your fatigue

Daniel Siegel: Mindsight