Dr. Martina Melzer, veröffentlicht: 26.11.25
Dr. Kristina Schultheiß ist Fachärztin für Innere Medizin, Spezialgebiet: Kardiologie, sowie Ärztin für präventive und funktionelle Medizin. Derzeit macht sie noch
eine Ausbildung zur Fastenärztin. Sie hatte selbst Long Covid bekommen und sich vollständig davon erholt. Inzwischen behandelt sie unter anderem Menschen mit Long Covid, POTS, MCAS und
ME/CFS online in ihrer Privatpraxis.
Im Video-Interview spricht sie im ersten Teil über ihre Genesung und im zweiten Teil teilt sie viel Wissenswertes und Hilfreiches zum Umgang mit Medikamenten bei Long Covid, POTS, MCAS und ME/CFS:
Das half Kristina Schultheiß auf ihrem Genesungsweg:
- Ihre Stelle in der Klinik aufgeben
- Pacing
- Nahrungsergänzungsmittel, „um aufzufüllen, was dem Körper fehlte“
- Nattokinase
- Fastenkur
- Stückchenweise wieder mehr bewegen, „auftrainieren“ nennt sie es
Medikamente:
Hinweis: Es gibt inzwischen eine ganze Menge Medikamente, die off-label (also ohne die Zulassung für diese Indikation zu haben) eingesetzt werden. Im Interview konnten wir nur auf wenige
eingehen, die Kristina Schultheiß sehr häufig verordnet und die mir sehr oft in den Coachings oder im Mind-Body-Balance-Programm genannt werden. Bitte immer vor der Einnahme solcher Mittel mit dem Arzt oder der Ärztin gründlich den
potenziellen Nutzen mit den möglichen Nebenwirkungen abwägen. Bitte beim Arzt auch immer erwähnen, was du noch alles einnimmst - wegen etwaiger Wechselwirkungen.
Weitere Infos zu Medikamenten findest du hier:
Therapiekompass Long Covid:
file:///C:/Users/marti/Downloads/therapie-kompass-3.pdf
Medikamente sind „nicht der heilige Gral“, können aber die Basis schaffen, um danach Dinge wie Brain Retraining, Nervensystemregulation, Bewegungsaufbau, etc. zu machen, sagt Schultheiß.
Schultheiß geht in ihrer Praxis meist nach folgender Reihenfolge vor: Erst Pacing, dann Medikamente zur Stabilisierung, dann die oben genannten Dinge oder weitere Therapiestrategien.
LDA = Low Dose Aripiprazol (eigentlich ein Antipsychotikum)
- Viele Menschen mit LC und ME/CFS haben laut Schultheiß einen Dopaminmangel. LDA kann da unterstützend wirken. Es dockt an Dopaminrezeptoren an und löst dort eine teilweise Aktivierung (25 %) aus. Der Wirkstoff kann Fatigue, Schlaf, Reizempfindlichkeit und weitere neurologische Symptome verbessern.
- Nach erneuter Covid-Infektion kann es passieren, dass LDA seine Wirkung verliert. Denn durch die Coronaviren kann der Abbau des Wirkstoffs in der Leber verändert sein, wodurch mehr verfügbar ist und mehr an die Dopaminrezeptoren bindet. Das kann dann einen gegenteiligen Effekt haben und nicht den gewünschten.
- Natürlich kann es zu Nebenwirkungen kommen.
Mehr Infos:
https://www.dr-med-kristina-schultheiss.de/post/wieso-kann-lda-low-dose-aripiprazol-nach-erneuter-sars-cov-2-infektion-seine-wirkung-verlieren
https://www.dr-med-kristina-schultheiss.de/post/low-dose-aripiprazol-ein-vielversprechender-therapeutischer-ansatz-f%C3%BCr-me-cfs-und-long-covid
https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Aripiprazol_48385
LDN = Low Dose Naltrexon (eigentlich ein Entzugsmittel)
- Dieser Wirkstoff ist bislang am besten untersucht, sagt Kristina Schultheiß. LDN wirkt unter anderem immunmodulierend und greift an Endorphinrezeptoren an. Es regt so die körpereigene Endorphinbildung an, was einen schmerzstillenden und antientzündlichen Effekt haben kann. Laut Schultheiß soll man dieses Mittel mindestens sechs Monate einnehmen, auch wenn man nicht gleich einen großen Effekt bemerkt. Denn es sei „neuroprotektiv“, wie sie sagt.
- Auch LDN kann Nebenwirkungen auslösen, vor allem zu Beginn der Therapie.
Mehr Infos:
https://www.dr-med-kristina-schultheiss.de/post/die-wichtigsten-studien-zu-ldn-low-dose-naltrexon-bei-me-cfs-und-long-covid
https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Naltrexon_21994
Wissenswertes zu MCAS und Medikamenten
- Kristina Schultheiß sagt: „Wenn man eine massive Mastzellaktivierung hat, dann werden Medikamente nicht helfen und können sogar negative Effekte haben“. Denn die Mastzellen würden auf alles reagieren – auf Histamin im Essen, auf Stoffe in Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln, aber auch auf physikalische und emotionale Reize.
- Deshalb sei es wichtig, zuerst die Mastzellen zu beruhigen und dann andere Medikamente zu nehmen. Schultheiß sagt, H1-Antihistaminika der ersten Generation seien empfehlenswerter, da sie die Blut-Hirn-Schranke passieren und damit auch die Mastzellen im Gehirn beruhigen. Sie machen allerdings müde! Zeitgleich verordnet die Ärztin meist noch ein H2-Antihistaminikum und einen Mastzellstabilisator.
Mehr Infos:
https://www.dr-med-kristina-schultheiss.de/post/mastzellaktivierung-mcas-und-seine-bedeutung-bei-long-covid-me-cfs
https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen/h1-antihistaminika
Medikamente bei POTS
- Niedrig dosierte beta-Blocker und der Wirkstoff Ivabradin können die Herzfrequenz senken. Sie würden aber nicht nur symptomatisch wirken, sagt Schultheiß, sondern hätten auch einen kausalen Effekt auf das POTS: Je schneller das Herz schlägt, desto weniger Blutvolumen wirft das Herz aus. Der Organismus wird weniger gut mit Blut versorgt. Dadurch schlägt das Herz noch schneller, was das Auswurfvolumen weiter verringert. Die Arzneistoffe hätten darauf einen günstigen Effekt: Herz schlägt wieder langsamer, Auswurfvolumen nimmt zu, Körper besser mit Blut versorgt. Schultheiß nennt als Beispiele für beta-Blocker Propranolol und Nebivolol. Ivabradin sei eine Alternative, wenn beta-Blocker nicht infrage kämen aufgrund von Nebenwirkungen oder anderen Gegenanzeigen.
- Pyridostigmin (ein Mittel, das auf den Parasympathikus einwirkt und eigentlich bei Myasthenia gravis zugelassen ist)
- Dieses Medikament setzt Kristina Schultheiß sekundär ein. Es erhöht die Acetylcholinkonzentration zwischen den Nerven und zwischen Nerv und Muskel. Acetylcholin ist der zentrale Botenstoff des Parasympathikus. Pyridostigmin kann Symptome lindern, die durch eine Fehlfunktion des Parasympathikus kommen, wie Magen-Darm-Probleme, Blasenprobleme. Es kann aber auch positiv auf POTS wirken, auf die Muskelschwäche und es kann die Herzratenvariabilität verbessern. Das ist eine Messgröße für die Funktionsweise des autonomen Nervensystems und den Stresslevel.
- Pyridostigmin kann sehr gefährliche Nebenwirkungen bei Überdosierung haben, sogar lebensgefährliche.
Mehr Infos:
https://www.dr-med-kristina-schultheiss.de/post/von-hypo-zu-hyper-die-verschiedenen-pots-typen
https://www.dr-med-kristina-schultheiss.de/post/mestinon-pyridostigmin-bei-me-cfs-long-covid-und-pots-ein-%C3%BCberblick
https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Pyridostigmin-Kation_47523
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Die Inhalte auf dieser Seite dienen nur zu Informationszwecken und ersetzen nicht das Gespräch mit Ärztin, Arzt oder anderen Therapeuten. Bitte sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder Therapeuten, bevor du Entscheidungen triffst, die deine körperliche oder mentale Gesundheit betreffen. Jeder Weg in ein Mind-Body-Syndrom ist etwas Individuelles, und jeder Weg heraus.



