Carmens ME/CFS Genesung

Dr. Martina Melzer, veröffentlicht: 16.06.26

 

Carmen hatte 1997 Pfeiffersches Drüsenfieber (EBV) und hatte sich davon nicht mehr richtig erholt. Dennoch studierte sie weiter, fing einen Teilzeitjob als Englischlehrerin an. 16 Jahre kämpfte sie sich so durchs Leben, bis 2013 ein „Total Shutdown“ kam, wie sie es jetzt nennt.

Ab da begann sie, sich intensiv mit Gesundheit und später den Ursachen der ME/CFS Symptome auseinanderzusetzen. Im Video-Interview erzählt sie, was ihr über die Jahre geholfen hat, endlich zu genesen.

 

Was Carmen nicht geholfen hat

  • Gruppen auf sozialen Medien, die sich auf Aussichtslosigkeit, die schrecklichen Symptome und Hoffnungslosigkeit fokussieren
  • Nahrungsergänzungsmittel
  • Off-label Medikamente
  • Homöopathie
  • HRV Messungen
  • verschiedenste Protokolle/Ernährungsweisen, Heilpilze

Was Carmen Erleichterung verschafft, aber nicht herausgeholfen hat

  • Entsaften; Ernährungsumstellung; Physiotherapie
  • 2015 bekam Carmen die Diagnose ME/CFS, dadurch konnte die Suche nach dem „Weg raus“ gezielter werden
  • Baseline in etwa zu finden brachte das System in mehr Ruhe & Ausgeglichenheit, dann wurde das Motto „mehr als genug ruhen“ 10 Jahre lang genesungshemmend
  • Komplexe Programme mit sehr guten, langen, tiefgehenden Vorträgen (aber Überforderung)
  • Lebensstilmedizinische Interventionen, z.B. Schlafhygiene, Licht, Kälte,
  • Wärme, Bewegung, flexible Routine
  • Wearables (insbesondere Vagusstiumulator)
  • Krankenhausaufenthalte
  • Ein Brain Retraining-Programm half ihr gut, danach kam es dennoch erneut zu einem weiteren „Shutdown“

Was Carmen heraus geholfen hat

  • Der Körper kann: Das geniale Design des Körpers besser kennenlernen und dadurch die innere Überzeugung entwickeln „unser Körper heilt immer, wenn wir ihm nicht im Weg stehen“, „mein Körper will und kann heilen“
  • Neuroplastizität & die physiologischen Auswirkungen von Gedanken: Auseinandersetzen mit dem Thema Neuroplastizität und dem Einfluss von Gedanken: „Meine Gedanken haben direkte körperliche Auswirkungen“, „meine Gedanken werden zu meiner Biologie und darauf habe ich Einfluss“, sagt sie, „wie gehe ich mit mir um?“
  • Das Gehirn KANN: Ein Interview mit Ben Ahrends von re-origin half ihr: „Das Gehirn kann gar nicht anders als lernen, wenn wir konsequent wiederholen, wir müssen es nicht perfekt machen“. Link zum Interview: https://www.youtube.com/watch?v=uZhXGhuBVNo&t=50s
  • Die Lösung liegt dort, wo wir oft nicht suchen: Erkenntnisse, dass „viel im Körper nicht in Ordnung ist, aber die Lösung liegt nicht im Körper unterhalb des Gehirns“, „es ist schulmedizinisch nicht heilbar, das heißt aber nicht, dass es nicht trotzdem heilbar ist“
  • Fatigue ist kein „Versagen“, sondern eine intelligente, adaptive Überlebensreaktion des Körpers. „Meine Symptome sind ein Schutzmechanismus und es ist Konditionierung, dass jegliche Belastung für mein Gehirn immer mehr eine Gefahr darstellte“
  • Gefühlte Sicherheit: Unser Energielevel ist letztlich ein Spiegelbild dessen, wie sicher oder unsicher sich unser Gehirn / Nervensystem fühlt (spiegelt sich auf Zellebene in der „Cell Danger Response“ wider)
  • Besser werden im Fühlen: Emotionen zulassen anstatt zu verdrängen, Gefühle fühlen ist wichtiger, als sich besser zu fühlen
  • Grenzen setzen: Entscheidender Durchbruch war, sich selbst Grenzen zu erlauben, sie wahrzunehmen und zu setzen, das „hat einen Schalter umgelegt in mir“, sagt Carmen
  • Anderer Umgang mit Symptomen: Erkenntnis, dass NICHT die Symptome wichtig sind – sondern ihre innere (unbewusste!) REAKTION auf sie! Ab da begann sie einzuüben, anders mit ihren Symptomen umzugehen und ihrem Gehirn zu zeigen, dass Belastung nicht gefährlich ist (Brain Retraining)
  • Edukation/Wissen: Das Programm von Tanner Murtaugh fand sie sehr hilfreich
  • „Der einzige Weg raus ist durch“: Wichtige Erkenntnis: „Ich muss durch die Symptome durch, um rauszukommen“ (stufenweise Exposition, immer angepasst an die empfundene innere Sicherheit)
  • Dringklichkeit herausnehmen aus allem, besonders die zu genesen
  • Selbstmitgefühl, ein grundsätzlich anderer Umgang mit sich selbst
  • Fokus auf Freude: Das Programm von Jan Rothney half Carmen, sich auf „Glimmer-Momente“ statt Probleme zu fokussieren und wieder mehr in ihr Leben zu integrieren, was ihr Freude macht
  • Kein Versagen sondern fehlende Sicherheit: Bei Rückschlägen half Carmen ein Satz von Alan Gordon: „Du hast nicht in der Genesung versagt, sondern dein Gehirn fühlt sich gerade noch nicht sicher genug“

Carmens Botschaft

  • Wichtig ist das WIE, nicht so sehr das WAS: Entscheidend ist letztlich viel mehr, WIE (wir uns fühlen während) wir etwas machen, nicht so sehr was wir machen (oder lassen). Das WIE vermittelt dem Gehirn Gefahr, z.B. durch Angst, Angespanntheit, Sorgen, Katastrophisieren, falsches Wissen, Dringlichkeit, getriebene, angstbesetzte Suche nach noch mehr Werkzeugen/Programmen...

oder

  • Sicherheit, z.B. durch das Wissen um / Vertrauen in das geniale Design unseres Körpers & den Gemesungsprozess, Entspannung, Geduld, Selbstmitgefühl, Freude, Grenzen setzen, neutraler/neugieriger Umgang mit Symptomen...
  • „Du musst nicht die perfekte Lösung finden, gehe einen jetzt machbaren Schritt nach dem anderen – übe, von der Angst ins Vertrauen zu kommen“, damit Gehirn & Körper wieder aus dem Überlebensmodus herauskommen können.

 

Kontakt zu Carmen

Über das Forum des Vereins „GemeinsamGenesen“: https://community.gemeinsamgenesen.org/

E-Mail: [email protected]

Instagram: @endlichgenesenvonmecfs

Facebook: Endlich Genesen von ME/CFS

Die Inhalte auf dieser Seite dienen außerdem nur zu Informationszwecken und ersetzen nicht das Gespräch mit Ärztin, Arzt oder anderen Therapeuten. Bitte sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder Therapeuten, bevor du Entscheidungen triffst, die deine körperliche oder mentale Gesundheit betreffen. Jeder Weg in ein Mind-Body-Syndrom ist etwas Individuelles, und jeder Weg heraus.