Was sind JournalSpeak und EAET?

Dr. Martina Melzer, veröffentlicht: 5.7.26

 

Wichtig: Symptome, die auf ein Mind-Body-Syndrom / neuroplastische Symptome oder neuroplastische Schmerzen hinweisen, vorher immer gründlich ärztlich abklären lassen! Die Beschwerden können eine neuroplastische Ursache haben, aber auch Ausdruck einer strukturellen Ursache sein, die einer anderen Behandlung bedarf. Zusätzlich zur klassischen Schulmedizin kann in diesen Fällen der neuroplastische Ansatz helfen.
 

Viele Menschen haben gelernt, bestimmte Emotionen zu unterdrücken oder zu vermeiden. Genauer gesagt: Ihr Gehirn hat das gelernt, als Schutzmechanismus. Oft handelt es sich dabei um Ärger, teilweise auch um Traurigkeit. Diese Emotionen können soziale Interaktionen und Beziehungen beeinflussen, besonders wenn man selbst und/oder sein Gegenüber nicht gut damit umgehen kann. 

Also kann es sich für das Gehirn sicherer anfühlen, sich nichts anmerken zu lassen oder mit bestimmten Verhaltensweisen zu reagieren, die oft zugunsten der Anpassung und zu Lasten der Abgrenzung gehen. Solche Verhaltensweisen können zum Beispiel Perfektionismus, People Pleasing oder Selbstkritik sein.

Wer jedoch ständig Emotionen unterdrückt und sich beispielsweise übermäßig anpasst, dessen Nervensystem gerät auf Dauer in Schieflage, was sich in körperlichen Symptomen äußern kann. Stuft das Gehirn bestimmte Emotionen als gefährlich ein, entsteht ebenfalls ein Alarmsignal im Gehirn und das autonome Nervensystem kommt aus der Balance. 

Nicht nur unterdrückter Ärger kann sich in körperlichen Beschwerden wie Schmerz, Fatigue oder Schwindel zeigen. Auch wenn wir andere große Gefühle haben, die wir aber nicht als solche zuordnen können und stattdessen nur etwas im Körper oder an unseren Gedanken und unserem Verhalten merken, kann das Symptome machen.

 

Was ist JournalSpeak?

JournalSpeak ist eine Form des expressiven Schreibens, bei der es darum geht, Gefühle aufs Papier zu bringen. Und zwar so, wie man sie wirklich fühlt. Entwickelt hat die Methode die US-amerikanische Psychologin Nicole Sachs, die ihrerseits dieses Konzept von Dr. John Sarno übernommen und verfeinert hat.

Expressives Schreiben / JournalSpeak ist nicht dasselbe wie Journaling oder Tagebucheinträge. Es geht bei dieser Art des Schreibens darum, die unangenehmen, unterdrückten und verdrängten Emotionen, Gedanken und Wahrheiten aufs Papier zu bringen. 

Das Gehirn lernt: Es ist nicht gefährlich, das an die Oberfläche zu lassen, es zu fühlen und in der richtigen Dosis auszudrücken. Es braucht keine Symptome mehr als Botschaft zu schicken, dass etwas emotional in Schieflage ist. 

Typische Vorgehensweise:

  • Liste mit Situationen und Ereignissen aus der Vergangenheit erstellen, die emotional belastend oder stressig waren
  • Liste mit aktuellen Situationen und Ereignissen erstellen, die emotional belastend oder stressig waren
  • Liste mit stressauslösenden Verhaltensweisen / Persönlichkeitsmerkmalen erstellen
  • Für circa 20 Minuten frei über eine Situation oder Verhaltensweise schreiben und dabei gezielt die Gefühle aufs Papier bringen
  • Danach eine Übung für Selbstmitgefühl oder Dankbarkeit machen


Man könnte vereinfacht sagen: Write to heal. Schreibe, um zu heilen.

 

Was ist die Emotional Awareness and Expression Therapy (EAET)?

Die Emotional Awareness and Expression Therapy (EAET) ist eine emotionsfokussierte und psychodynamisch orientierte Therapieform, die darauf abzielt, unbewältigte Stressfaktoren, unterdrückte Emotionen, innere Konflikte und Traumata (die letzten beiden Punkte nur in psychotherapautischer Begleitung) anzugehen.

EAET wurde von Dr. Howard Schubiner und Dr. Mark Lumley entwickelt und wissenschaftlich untersucht.

Auch hier soll das Gehirn lernen, dass Emotionen und innere Konflikte nicht gefährlich sind und es in Ordnung ist, so etwas zu fühlen, zuzulassen, auszudrücken und dann wieder loslassen zu können.

Komponenten der EAET:

  • Aufklärung über neuroplastische und emotionale Vorgänge als Ursache von Stress, Schmerzen und anderen Symptomen
  • Zulassen, Fühlen und Ausdrücken von Emotionen und inneren Konflikten, die man normalerweise unterdrückt oder vermeidet. Dies kann durch expressives Schreiben und/oder imaginäre Techniken erfolgen
  • Sich selbst und seine Bedürfnisse ausdrücken und Emotionen in Gegenwart von anderen Menschen fühlen können und bestenfalls positive Erfahrungen damit machen


Ganz vereinfacht gesagt: Feel and express yourself to heal. Fühle und drücke dich aus, um zu heilen.

EAET ist typischerweise ein Baustein der Pain Reprocessing Therapy (PRT).

Im Unterschied zu JournalSpeak findet EAET eher zusammen mit einem Therapeuten/einer Therapeutin statt, wobei die Methode in Deutschland noch wenig verbreitet ist.

 

Studien zur EAET (Auswahl)

  • EAET bei Fibromyalgie: In einer Studie mit 230 Fibromyalgie-Patient:innen legten die Forscher:innen den Fokus auf EAET. Die EAET-Gruppe hatte nach der Therapie im Vergleich zur Gruppe, die eine kognitive Verhaltenstherapie erhielt, deutlich weniger Schmerzen und weniger andere typische Symptome einer Fibromyalgie


https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28796118/

  • EAET bei chronischen Schmerzen: In einer Studie wurden gruppenbasierte EAET und CBT (kognitive Verhaltenstherapie) bei 126 älteren Veteranen verglichen. Die Studie ergab, dass 63 % der EAET-Teilnehmer eine klinisch signifikante Schmerzlinderung (um mindestens 30 %) verzeichneten, verglichen mit nur 17 % in der CBT-Gruppe


https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2819961?__cf_chl_f_tk=QCvjJS89etToWvfCSmRIi0PZmyHqqPm8gSkOdo6uVFE-1783257179-1.0.1.1-mTrxh22xDqWB1auNFTgS6nUMc.fh2CM94SlSHh48jZw

  • EAET bei Reidzarm: EAET, nicht jedoch ein Entspannungstraining, führte nach 10 Wochen zu einer signifikanten Verringerung der Schwere der Reizdarm-Symptome


https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5690851/

  • Somatic Symptom Disorder (Mind-Body-Syndrome): Internetbasiertes EAET führte sowohl unmittelbar nach der Behandlung als auch bei der Nachuntersuchung zu einer signifikanten Verringerung der somatischen Symptome. EAET führte zudem unmittelbar nach der Behandlung zu einer Verringerung von Schmerzen, Depressionen, Schlaflosigkeit und Angstzuständen, doch diese Effekte hielten bei der Nachuntersuchung nicht an


https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022399922003531

  • EAET bei Migräne: Im Rahmen einer über Telemedizin durchgeführten vorläufigen randomisierten Studie wird die Wirksamkeit bei der signifikanten Verringerung der Migränehäufigkeit im Vergleich zu einer Kontrollgruppe untersucht


https://academic.oup.com/painmedicine/advance-article-abstract/doi/10.1093/pm/pnag034/8501983?redirectedFrom=fulltext

 

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Die Inhalte auf dieser Seite dienen nur zu Informationszwecken und ersetzen nicht das Gespräch mit Ärztin, Arzt oder anderen Therapeuten. Bitte sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder Therapeuten, bevor du Entscheidungen triffst, die deine körperliche oder mentale Gesundheit betreffen. Jeder Weg in ein Mind-Body-Syndrom / neuroplastisches Symptom ist etwas Individuelles, und jeder Weg heraus.