Dr. Martina Melzer, veröffentlicht: 04.05.26
Wichtig: Symptome, die auf ein Mind-Body-Syndrom / neuroplastische Symptome oder noziplastische Schmerzen hinweisen, vorher immer gründlich ärztlich abklären lassen! Die Beschwerden können eine neuroplastische Ursache haben, aber auch Ausdruck einer strukturellen Ursache sein, die einer anderen Behandlung bedarf als eine Mind-Body-Geschichte. Zusätzlich zur klassischen Schulmedizin kann in diesen Fällen dann aber auch der Mind-Body-Ansatz helfen.
Brain Retraining hilft doch eigentlich so vielen Menschen mit ME/CFS, Long Covid und ähnlichen Syndromen wie POTS oder Fibromyalgie, ihren Zustand deutlich zu verbessern oder sogar zu genesen. Was, wenn es dir gefühlt nichts bringt?
Vier mögliche Gründe:
1. Du hast große Zweifel
Zweifelst du an dem ganzen Mind-Body bzw. neuroplastischen Erklärungsansatz? Hältst du es für abwegig, dass so etwas wie Brain Retraining deine Symptome vermindern
kann und dir zur Genesung verhelfen soll? Starke Zweifel können ein Grund sein, weshalb Brain Retraining bei dir nicht anschlägt oder nicht so, wie du es gehofft hast. Zweifel sind mit einem
Alarmsignal im Gehirn verbunden. Es beäugt diese Methode kritisch und hat eher negative Erwartungen als positive. Dahinter stecken der Placebo-Effekt („ich helfe“) und der Nocebo-Effekt („ich
schade“). Erwartet dein Gehirn, dass etwas hilft, hilft es auch eher. Erwartet es, dass etwas schadet oder nichts bringt, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass genau das eintritt.
Ein paar Zweifel sind dagegen völlig normal und okay. Besonders, wenn mal wieder ein Rückschritt kommt oder es stagniert. Einfach dran bleiben.
2. Du setzt dich unter Druck
Du findest, dass Brain Retraining absolut Sinn macht und dir helfen wird? Und
trotzdem tut sich irgendwie nichts? Vielleicht setzt du dich zu sehr unter Druck. Vielleicht willst du unbedingt ganz schnell Fortschritte machen und rasch wieder gesund werden, damit du ins
Leben zurückkehren kannst. Druck und Dringlichkeit sind Gefahrensignale für das Gehirn. Und damit produziert es weiter Symptome, auch wenn du eigentlich „alles richtig“ machst. Nimm den Druck
raus, vertraue dem Prozess, dein Nervensystem heilt in seiner eigenen Geschwindigkeit.
Auch Perfektionismus baut Druck auf. So viele Menschen sagen mir in Coachings, sie machen bestimmt etwas falsch und deshalb hilft Brain Retraining nicht und sie werden nicht gesund. Gehe etwas
entspannter und lockerer damit um. Du machst nichts falsch. Dein Gehirn hängt einfach noch im Stressmodus fest.
3. Eine ungeeignete Technik
Was Menschen mir auch immer wieder sagen, ist: Ich mache schon ganz viel Brain Retraining, aber ich komme mit der Technik nicht klar. Manche Genesungsprogramme setzen auf eine spezielle Brain Retraining-Technik, eine bestimmte Abfolge von Praktiken. Und wenn dir das überhaupt nicht liegt, dann schlägt es möglicherweise auch deshalb noch nicht richtig an. Probiere einfach andere Techniken aus. Informiere dich über die zahlreichen kostenfreien Ressourcen im Internet. Ich stelle in meinem Programm, meinen Kursen und den Coachings auch eine Vielzahl an verschiedenen Techniken zur Verfügung, damit du das findest, womit du am besten klarkommst. Und natürlich kannst du auch deine eigenen Brain Retraining-Technik anwenden, wenn du das Prinzip verstanden hast. Das ist super!
4. Es reicht nicht aus
Manchmal reicht Brain Retraining einfach nicht aus. Bei mir war das auch so. Dafür gibt es zwei (vielleicht auch mehr) mögliche Gründe. Erstens: Du bist aktuell zu
viel Stress ausgesetzt. Seien es finanzielle Gründe, eine schwierige Beziehung, Kinder, Ärger mit den Behörden, ein Trauerfall in der Familie oder fehlende Unterstützung von anderen Menschen.
Zweitens: Du sprichst mit Brain Retraining nur die Spitze des Eisbergs an. Unter der Wasseroberfläche befindet sich der Rest des riesigen Eisbergs – in Form von unterdrückten Emotionen und
unverarbeiteten stressigen Erlebnissen oder Traumata aus der Vergangenheit.
Im ersten Fall solltest du dir überlegen, was du an deiner aktuellen Situation verändern und beeinflussen kannst, damit der Stresslevel sinkt. Beim zweiten Fall wird das Aufarbeiten und
Verarbeiten deiner Vergangenheit mit einem/r Psycho- oder Traumatherapeuten/-in nötig sein. Ebenso wie Zugang zu unterdrückten Emotionen zu bekommen, diese zulassen, sicher ausdrücken und dann
loslassen können.
Wichtig: Die Aussagen in diesem Text sind das Ergebnis meiner Recherchen aus wissenschaftlichen Untersuchungen, Fachartikeln, Büchern, Kursen, Aus- und
Weiterbildungen sowie meines eigenen Genesungsprozesses. Ich habe bestmöglich recherchiert, erhebe aber dennoch keinen Anspruch auf Richtigkeit. In der Wissenschaft gilt etwas solange als
Hypothese, bis es eindeutig belegt (oder widerlegt) ist. Das ist dann Evidenz, ein Fakt. Die Aussagen in diesem Text sind eine Kombination aus Hypothesen und Fakten.
Die Inhalte auf dieser Seite dienen außerdem nur zu Informationszwecken und ersetzen nicht das Gespräch mit Ärztin, Arzt oder anderen Therapeuten. Bitte sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder
Therapeuten, bevor du Entscheidungen triffst, die deine körperliche oder mentale Gesundheit betreffen. Jeder Weg in ein Mind-Body-Syndrom ist etwas Individuelles, und jeder Weg heraus.




